Wiederaufbau eines Landhauses: Mies van der Rohe und die Villa Wolf in Gubin
Vortrag und Diskussion,
Uhr
13156 Berlin-Pankow, PAN Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften, Majakowskiring 47 · S-Bahn oder U-Bahn, Linie S 2 oder U2 bis zur Bhf. Pankow, weiter mit der Tram M1 (Richtung Niederschönhausen oder Rosenthal Nord bis zur Haltestelle Tschaikowskistr.)
Im Rahmen des Klaus Zernack Colloquiums geht es dieses Mal um ein besonderes Wiederaufbauprojekt. Bei der Villa Wolf handelt es sich um ein Einfamilienhaus, das östlich der Neiße in dem damals deutschen Guben in den Jahren 1925 und 1927 entstanden ist und nach einem Brand 1945 nicht wieder aufgebaut wurde.
Die Gesprächsgäste sind Florian Mausbach, einer der Mitbegründer der Initiative (Vortrag) und Prof. Beata Halicka (Kommentar), eine bedeutende Kennerin der deutsch-polnischen Grenzregion.
Die Hochzeit von Erich Wolf und Elisabeth Wilke im Jahr 1922 vereinte zwei große Unternehmerfamilien aus der Gubener Textilbranche, die das Erscheinungsbild der Provinzstadt bereits zuvor architektonisch geprägt hatten. Was sagt uns die Entscheidung von Erich Wolf, sein Familienhaus von Mies van der Rohe bauen zu lassen? Welche Kontinuitäten und Brüche lassen sich anhand der Familie Wolf, die fast 20 Jahre in der Villa gewohnt hat, erkennen?
Ludwig Mies van der Rohe (eigentlich Maria Ludwig Michael Mies, 1886 –1969) war ein deutsch-amerikanischer Architekt, der zu den bekanntesten und bedeutendsten Vertretern des Modernismus gezählt wird. Die Villa Wolf gilt als sein „erster dezidiert moderner Bau“. Welche bahnbrechenden architektonischen Erneuerungen kamen in Guben zum Einsatz und wurden von Mies van der Rohe beim Bau der Villa Tugendhat in Brünn (1929 –1930) und des Deutschen Pavillons in Barcelona (1928 –1929) fortgesetzt und weiterentwickelt?
Der deutsch-polnische „Förderverein zum Wiederaufbau der Villa Wolf“ wurde am 13. Juni 2017 gegründet. Nachdem 2014 mit der Rekonstruktion der verlorenen Baupläne begonnen wurde, folgten 2021 umfassende archäologische Grabungen, die große Teile des Kellers, einzelne Treppenansätze und Reste des Mauerwerks zutage förderten. 2023 erschien im DOM Publishers Verlag ein aufwendiger Band mit dem Titel: „Mies van der Rohe. Villa Wolf in Gubin. Geschichte und Rekonstruktion (hg. v. Dietrich Neumann)“, der den vielschichtigen Kontext, die Grabungen und die Wiederaufbauidee dokumentiert. Nach den letzten Plänen soll in dem wiederaufgebauten Meilenstein moderner Architektur ein deutsch-polnisches Kultur- und Begegnungszentrum entstehen. Dabei stellen sich die Fragen nach realistischer Fertigstellung des ambitionierten Projekts und seine Einbettung in die deutsch-polnische Grenzregion.
Die Veranstaltung wird moderiert von Jakub K. Sawicki (CBH PAN).
Florian Mausbach (geb. 1944) ist Architekt und Stadtplaner. Von 1995 bis 2009 leitete er das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR), verantwortlich für die zivilen Bundesbauten in Berlin, Bonn und im Ausland, sowie wissenschaftliches Institut für Städtebau und Raumordnung. Nach seinem Studium der Architektur und Stadtplanung in Braunschweig und Berlin arbeitete Mausbach zunächst in Düsseldorf, bevor er von 1979 bis 1990 in der Stadtverwaltung von Frankfurt am Main und in den 1990er Jahren in Bielefeld und im vereinigten Berlin die Stadtentwicklung mitgestaltete. Er war Initiator eines 2017 gestarteten Aufrufs zum Bau eines Denkmals für die polnischen Opfer der deutschen Besatzung, bei dem mit der Einweihung eines provisorischen Denkmals dieses Jahr ein wichtiges Teilziel erreicht wurde. Zudem engagiert er sich seit Jahren in einem Verein, der im Rahmen der deutsch-polnischen Zusammenarbeit den Wiederaufbau der Villa Wolf in Gubin, einem Werk von Ludwig Mies van der Rohe, anstrebt. Am 17.10.2025 wurde Florian Mausbach mit dem Ritterkreuz des Verdienstordens der Republik Polen ausgezeichnet.
Beata Halicka ist Professorin für die Geschichte Ostmitteleuropas an der Adam-Mickiewicz-Universität in Posen. Von 2006 bis 2013 war sie an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) tätig und hatte Gastprofessuren an den Universitäten von Calgary (Kanada) sowie El Paso und Phoenix (USA) inne. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Zwangsmigrationen, Nationalismus, deutsch-polnische Beziehungen, die polnische Diaspora, Grenzregionen sowie Erinnerungskultur und -politik. Für ihr Buch „Polens Wilder Westen – Erzwungene Migration und die kulturelle Aneignung des Oderraums 1945–1948” erhielt sie 2016 den Identitas-Preis für das beste historische Buch in Polen. In ihrem aktuellen Projekt beschäftigt sie sich mit den Schicksalen polnischer Frauen, die im Kontext des Zweiten Weltkriegs in die USA emigrierten.
Jakub K. Sawicki ist Übersetzer, Historiker und Projektkoordinator. Er beschäftigt sich mit deutscher und polnischer Geschichte der letzten Jahrhunderte. Er verfasste u. a. seine Magisterarbeit über den Warschauer Kultur- und Wissenschaftspalast in der volkspolnischen Öffentlichkeit und widmet sich in seiner Doktorarbeit den Esskulturen in der BRD, der DDR und VR Polen um 1970. Seit September 2023 koordiniert er die wissenschaftlichen Projekte am Zentrum für Historische Forschung Berlin der PAN.
Die diesjährige Veranstaltungsreihe im Rahmen des Klaus Zernack Colloquiums des Zentrums für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften findet in Kooperation mit dem Deutsch-Polnischen Haus statt.
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