Die Deutsch-Polnische Gesellschaft Berlin e. V. hat an der feierlichen Eröffnung der Ausstellung „Warschauer Aufstand 1944“ durch den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner, Jan Ołdakowski, Direktor des Museums des Warschauer Aufstands in Warschau, Jan Tombiński, Geschäftsträger a. i. der Botschaft der Republik Polen, teilgenommen. Auch zahlreiche VertreterInnen der Zivilgesellschaft und deutsch-polnischer Institutionen waren im Roten Rathaus dabei. Es ist eine hochinteressante und reich bebilderte Ausstellung über den gleichermaßen heroischen wie tragischen Warschauer Aufstand. Am Rande der Eröffnungsveranstaltung erhielten wir sogar die Möglichkeit, noch einmal mit einem Info-Stand über unser erfolgreiches Projekt eines Murals zum Warschauer Aufstand in Berlin-Adlershof zu informieren. Mehr dazu unter: https://www.dpgberlin.de/de/mural/
In seiner Begrüßungsansprache erinnerte der Regierende Bürgermeister an das ungeheure Leid, dass der deutsche Angriffskrieg mit anschließendem Besatzungsterror und unzähligen Kriegsverbrechen über Polen brachte und wies vor diesem Hintergrund auf die große und bis heute ungebrochene Bedeutung des Warschauer Aufstands für das polnische Geschichtsverständnis hin.
Bei vielen Deutschen seien die historischen Kenntnisse über das deutsche Wüten in Polen leider immer noch lückenhaft, der Warschauer Aufstand der Polnischen Heimatarmee 1944 oftmals immer noch weniger bekannt als der Ghettoaufstand von 1943. Umso glücklicher sei er deshalb, dass die aktuelle, vom Museum des Warschauer Aufstands kuratierte Wanderausstellung nach ihrer vorherigen Station in Leipzig nunmehr auch die Bundeshauptstadt erreicht habe und dem Berliner Publikum zahlreiche neue Einblicke vermitteln könne.
Gerade im Zusammenhang der aktuellen Jahrestage von 35 Jahren Städtepartnerschaft Berlin-Warschau, Deutsch-Polnischem Nachbarschaftsvertrag und Weimarer Dreieck sei dies von nicht zu unterschätzender Bedeutung für die weitere Vertiefung der Beziehungen. In Ergänzung zum vorbereiteten Redetext richtete er zusätzlich auch den Blick auf den feigen terroristischen Anschlag auf feiernde Menschen am Abend der Berliner Christopher Street Day Parade, durch den eine polnische Mutter getötet und deren Tochter, neben vielen anderen, verletzt wurden. In bewegten Worten sprach er den polnischen Gästen sein tief empfundenes Beileid aus, verbunden mit einem leidenschaftlichen Appell zu weniger Hass und mehr Zusammenhalt in unseren Gesellschaften.
Geschäftsträger a. i. Jan Tombinski dankte für die zum Ausdruck gebrachte Anteilnahme und bekräftigte, dass sich unsere freien Gesellschaften durch Terror nicht einschüchtern lassen dürften. Mit Blick auf die Ausstellung wies er ebenso wie der Regierende Bürgermeister darauf hin, dass es sich beim Warschauer Aufstand um die größte Stadtschlacht der modernen Geschichte gehandelt habe. Als solche bilde sie einen Grundstein des polnischen kollektiven Gedenkens. Alle Nachkriegsgenerationen seien hierdurch nachhaltig geprägt.
Museumsdirektor Jan Ołdakowski erinnerte in eindringlichen Worten an die furchtbaren Geschehnisse des Spätsommers 1944: die Etablierung eines sowjetisch bestimmten, gegen die rechtmäßige polnische Exilregierung gerichteten Marionettenregimes in Lublin, den als Akt polnischer Selbstermächtigung wenige Tage später begonnenen, mehr als zwei Monate währenden Aufstand zur Befreiung der Hauptstadt von deutscher Besatzung und die im Ergebnis fast vollständige Zerstörung Warschaus mit mindestens 150.000 Toten, von denen 90 Prozent Zivilisten waren. In einem perfiden Zusammenspiel der Diktatoren befahl einerseits Hitler die vollständige Zerstörung Warschaus und die Ermordung seiner Einwohner, während gleichzeitig Stalin den Vormarsch der Roten Armee und jede wirkungsvolle Unterstützung der Aufständischen stoppte. Von der kommunistischen Geschichtsschreibung über Jahrzehnte verfälscht und verschwiegen, sei die ebenso tragische wie heroische Geschichte des Warschauer Aufstands im heutigen freien Polen endlich allgemein zugänglich und verfügbar, wozu auch das eigens hierfür errichtete Museum seinen Beitrag leiste. Im deutsch-polnischen Verhältnis sei sie auch weiterhin ein besonders schmerzliches Kapitel, allerdings eingebettet in die gemeinsame Mitgliedschaft in EU und NATO sowie jahrzehntelang gewachsene politische, wirtschaftliche und menschliche Verbindungen.




